Auf dem Festland von Mexiko ist es ähnlich wie auf der Baja: Man begegnet wieder vielen Reisenden. Demgegenüber waren die Distanzen in den USA und Kanada doch zu groß, und die Vielfalt der Stellplatzmöglichkeiten zu riesig, so daß sich zumindest dort unsere Begegnungen mit anderen Overlandern in Grenzen hielten. Zwar sieht man andere Reisende auch jetzt nicht auf mexikanischen Straßen, aber kaum, daß man einen Stellplatz erreicht hat… Die guten Stellplätze sind bekannt und da tummeln sich viele, so natürlich auch wir. 😉 Wir hatten in der Vergangenheit mal einen Bericht über unsere Baja-Begegnungen verfaßt, aber diesmal soll es um die unterschiedlichen „Reiseformate“ gehen. Damit meinen wir nicht, in oder mit welchem Fortbewegungsmittel man unterwegs ist, oder auf welche „Reiseart“ (https://www.munter-reisen.de/reisearten/), sondern den zeitlichen Aspekt, zu reisen. Selbstverständlich gibt es auch hier kein schwarz-weiß, sondern viele Abstufungen oder Kombinationen. Was am Anfang mal so war, muß nicht zwangsläufig immer so bleiben.
- Overlander mit „open end“ Reise
Der Prozeß, sich für ein permanentes Reiseleben zu entscheiden, geht nicht über Nacht; zumindest bei uns war dies nicht der Fall. Als wir jedoch nach und nach entschieden hatten, alles zu verkaufen und ein Sabbatical zu beantragen, ging es für uns in diese Richtung, auch wenn wir dank des Sabbaticals weiterhin die Möglichkeit hatten, noch immer zu unseren früheren Firmen zurückzukehren – wenn auch sicher nicht in den gleichen Job. Aber irgendwann stand für uns fest: Wir möchten open-end Reisen! Dieses heißt nicht, daß wir nicht auch mal einen (kurzen) Family-Besuch (mit Patsha) eingelegt hätten bzw. dies auch für die Zukunft planen, aber der Fokus liegt bei diesem Reiseformat eindeutig auf „Reisen“ und „Leben in anderen Ländern“, und dies auf unbegrenzte Zeit.
Als wir vor 3 Jahren gestartet sind, dachten wir, daß alle Reisende so wie wir – also open-end – unterwegs sind. Rückblickend gilt dies jedoch nur für die Hälfte von jenen, die wir in den letzten Jahren unterwegs kennengelernt hatten. Und jene Reisende sind meistens zu zweit, manchmal aber auch als Familie unterwegs. Wobei bei letzteren sich meistens irgendwann die Frage stellt: Machen wir Homeschooling, oder doch wieder retour ins eigene Land, um die Kinder einzuschulen? Hier waren es eher Reisende aus Frankreich oder Holland, die sich für eine Weiterfahrt mit Kindern und Homeschooling entschieden bzw. dies bereits so praktizierten. Wir können nicht bewerten, ob es an den dortigen Schulkonzepten oder der nationalen Toleranz für ein solches Homeschooling liegt, aber es wäre eine Betrachtung wert.
Zu den Open-End-Reisenden zählen wir auch nicht nur jene, die von einem finanziellen Polster leben – insofern finden sich hier auch viele ältere Menschen bzw. Rentner -, sondern auch jüngere, die als „digitale Nomaden“ unterwegs sind, oder anderweitig ihr Auskommen erarbeiten. Sie verdienen sich unseren Respekt und unsere Achtung, wären wir ein solches Risiko in jenem Alter nie eingegangen, denn dies ist – trotz aller Südsee-Romantik – Arbeit. Wir lassen jetzt bewußt das Wort „harte Arbeit“ mal weg. 😉
Ob Reisende in dieser Kategorie eher schneller oder langsamer unterwegs sind, ist eher eine Einstellungssache bzw. hängt von den Vorlieben der Reisenden ab. Wir haben hier keine klare Tendenz bei denjenigen, die wir hierzu kennenlernen durften, beobachten können. Was uns jedoch auffällt – vielleicht, weil wir es mittlerweile auch in Betracht ziehen – ist, daß viele Open-End-Langzeitreisende irgendwann mal eine längere Pause einlegen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein; bestimmt ist einer davon „Reisemüdigkeit“.
- Reisende mit begrenzter Zeit (z.B. für 1-3 Jahre)
Zu diesen Reisenden, die wir in Europa als auch hier im Norden Amerikas kennenlernen durften, zählen viele, die sich ein finanzielles Polster angespart haben, um über einen begrenzten Zeitraum reisen zu können, und wir haben viele getroffen, für die klar war, daß nach 1-2 Jahren wieder Schluß ist. Ob mit eigens dafür aufgebautem Fahrzeug, oder aber eines, welches nur für diese Reise extra – meistens low budget-mäßig – gekauft wurde, ist egal, aber die Reise ist klar ausgelegt auf einen definierten Zeitraum. Nach diesem suchen sich die Reisenden entweder wieder einen neuen Job, oder – falls selbständig – gehen wieder ihrer früheren Tätigkeit nach, oder aber sie haben die Möglichkeit, in ihrer früheren Firma weiter zu arbeiten. Manchmal sind die Reisenden, die wir hierzu getroffen hatten, mit kleinen Kindern unterwegs, so daß klar war, daß der Kindergarten oder die Schule zu Hause wieder rufen. Sehr oft waren diese Reisende auch umtriebig und schneller unterwegs als wir – gibt’s das wirklich? 😉 –, denn man will ja so viel wie möglich in dieser überschaubaren Zeitspanne erleben.
- Kurzzeitreisende mit jährlichem „Wiederholungspotential“
Wirkliche Kurzzeitreisende, also, die nur ein paar Monate im Jahr unterwegs sind, um dann für die restliche Zeit in ihr Leben „zuvor“ zurückzukehren und voller Elan im nächsten Jahr wieder durchzustarten, haben wir nicht wirklich getroffen. Wir kennen aber die Idee, mit dem (eigenen) Camper für einen gewissen Zeitraum zu reisen, ihn dann vor Ort zu parken, um genau an jener Stelle in einem Jahr – oder so – weiterzumachen. Vermutlich wird man jene Reisende eher in Europa antreffen, als hier in Amerika, denn hier sind es eher die „Snowbirds“, also „Langzeitreisende mit Standpotential“, die man kennenlernt. In meiner beruflichen Vergangenheit hatte ich einen Kollegen, der sich für jene Art, zu reisen, interessierte, aber dies war schwer mit der (damaligen) Tätigkeit vereinbar, was nicht heißen soll, daß es generell nicht geht.
- Langzeitreisende mit jährlicher (Reise)Auszeit (z.B. für 1-3 Monate)
In diese Kategorie fallen mehr Reisende, als man denkt, auch wenn sie in unseren Begegnungen die Minderheit waren. Meistens planen sie eine Reise recht genau, oder zumindest für konkrete Etappen, um dann wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Entweder haben sie dort noch eine Wohnung o.ä., zumindest aber eine Möglichkeit, irgendwo unterzukommen oder in ihrem eigenen Fahrzeug weiterhin stationär zu wohnen. Da die Zeit, in der man wieder stationär ist, zu kurz für eine Festanstellung ist, haben diese Reisende entweder bereits ein finanzielles Polster aufgebaut, oder sie verdienen bereits die gesamte Zeit – also auch von unterwegs – Geld. So zumindest unsere Beobachtung bzw. Informationen. Jene Reisende sind auch meistens in ihrem eigenen Fahrzeug unterwegs, denn es lohnt sich, hierin investiert zu haben, denn man lebt ja schließlich die meiste Zeit darin. Sehr oft dient die Heimreise – ob mit oder ohne eigenem Fahrzeug – dazu, neue Kraft zu schöpfen, Familie und Freunde wiederzusehen, oder Dinge, wie z.B. die nächste Reise, zu organisieren.
Habt Ihr Euch als Reisende in unserer Beschreibung wiedergefunden? Falls nicht, meldet Euch doch gerne bei uns. 😊 Und für alle diejenigen von Euch, die noch nicht unterwegs sind: Ihr seht also, es muß nicht immer „alles aufgegeben“ werden, um ein Reiseleben – jenseits eines normalen Urlaubes – zu starten. Vielleicht wäre da ja auch etwas für Dich dabei? 😊